Deutsche Bank im ersten Quartal 2009 mit Milliardengewinn

Mitten in diesen Zeiten der Krise überrascht die Deutsche Bank mit zwei Nachrichten, die man erst einmal sacken lassen muss. Die eine war erwartet worden, aber erstaunt letztendlich schon, da die Finanzkrise immer noch zu milliardenschweren Abschreibungen in den Bankbüchern führt. Die andere war von niemand erwartet, und noch vor kurzem dementiert worden: Josef Ackermann bleibt weiter auf seinem Stuhl kleben. Und verlängert seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank um drei Jahre.

Nach EBIT (nach Abzug von Steuern und Zinsen) kann die Deutsche Bank nun für das erste Quartal dieses Jahres auf einen staatlichen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro schauen. Und zeigt damit einmal mehr, dass auch eine große Bank in einer Krise die Eisberge zumindest so weit genug umschiffen kann, dass das Schiff zwar angekratzt, aber nicht völlig beschädigt wird – und deshalb auch nicht untergeht.




Deshalb sind die nackten Zahlen auch nicht so schlecht, wie sie angesichts der momentanen Lage der Kreditinstitute in der ganzen Welt vielleicht zu erwarten wären:

  • Erträge von 7,2 Mrd Euro nach Wertanpassungen auf verbliebene Risikopositionen von 1,5 Mrd Euro
  • Gewinn vor Steuern von 1,8 Mrd Euro
  • Corporate Banking & Securities: Gewinn vor Steuern von 1,3 Mrd Euro dank Rekorderträgen im Sales & Trading (Debt und sonstige Produkte)
  • Eigenkapitalrendite vor Steuern (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) bei 22%; Eigenkapitalrendite vor Steuern nach Zieldefinition bei 25%
  • Tier-1 Kapitalquote von 10,2% übertrifft Ziel
  • Relation Bilanzsumme zu Eigenkapital (Leverage ratio) nach Zielgrößendefinition auf 25 reduziert
  • Starke Position bei Liquidität und Refinanzierung

Der Brief, den der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zu dem heute vorgelegten Quartalsbericht schrieb, liest sich wie immer und ist bis auf wenige Punkte nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde.

Viel interessanter wiegt aber da die Tatsache, die noch gestern plötzlich aus dem Haus Deutsche Bank über den Äther geschickt wurde:

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Josef Ackermann anzutragen, seinen Vertrag um weitere drei Jahre, bis zur Hauptversammlung 2013, zu verlängern.

Herr Dr. Ackermann hat dieser Bitte entsprochen. Die förmliche Beschlussfassung dazu wird in der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli 2009 erfolgen.

“Herr Dr. Ackermann hat die Bank strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt. Der Leistungsausweis der Bank für das erste Quartal 2009 ist ein eindrucksvoller Beleg dafür”, so der Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Clemens Börsig.

“Mit seiner Entscheidung drückt der Aufsichtsrat seine hohe Anerkennung und Wertschätzung für Herrn Dr. Ackermann aus. Die Kontinuität in der Führung der Bank wird damit sichergestellt”, so Dr. Börsig weiter. “Ich freue mich, dass Herr Dr. Ackermann bereit ist, die Bank in den nächsten, besonders herausfordernden Jahren, weiter zu führen und ich freue mich schon sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm.”

Und das ist nun eine Nachricht, die absolut nicht erwartet wurde. Noch vor nicht all zu langer Zeit hatte Ackermann klar gemacht, dass er nach Ende seines im Jahr 2010 auslaufenden Vertrags die Deutsche Bank verlassen würde. Und noch im Januar 2007 gab er dem manager magazin ein vollmundiges Interview, dass nach Vertragsende definitiv auch Ende wäre mit seiner Arbeit für die Deutsche Bank. Doch war es nicht immer so, dass Dinge schnell gesagt werden, aber zum Gerede von gestern werden, dass einen irgendwann nicht mehr stört? Die aktuelle Lage auf dem globalen Bankenparkett scheint ein Festhalten notwendig zu machen an einem Mann, der nicht immer jenseits von aller Kritik war – ganz im Gegenteil. Doch wer sollte den Branchenprimus durch diese rauen und stürmischen Zeiten führen, wenn nicht jener, der das seit Jahren mehr oder minder erfolgreich tut? Dennoch sind Änderungen von Nöten, Ablaufpläne müssen neu geschrieben werden und eine neue Gangart wird gebraucht. Was davon wird Ackermann wirklich leisten können? -  Dies ist die alles entscheidende Frage. Und wird sich auch niederschlagen in den nächsten Geschäftsberichten…




Doch lassen wir diesen Bericht nicht nur mit kritischen Worten enden. In der momentanen Situation kann man wohl froh sein um jede Bank, die nicht ganz den Boden unter den Füßen verliert in Folge der Finanzkrise. So hat Josef Ackermann selbst das letzte Wort diesmal. Wenn auch nur diesmal. Aber es sei ihm gegönnt. “Dies war ein Schlüsselquartal für die Deutsche Bank. Einmal mehr haben wir unsere Stärke in der Finanzkrise demonstriert. Darüber hinaus haben wir in diesem Quartal unsere Ertragskraft bewiesen. Wir haben, wie während der gesamten Finanzkrise, Kapitalstärke und Bilanzdisziplin gezeigt und konnten uns auf eine breite und solide Finanzierungsbasis sowie eine stattliche Liquiditätsreserve stützen. Im ersten Quartal 2009 haben wir außerdem substanzielle Erträge erwirtschaftet und dabei signifikante Belastungen aus verbliebenen Risikopositionen verkraftet. Was die weiteren Aussichten angeht, müssen wir mit anhaltenden Schwierigkeiten in unserem Geschäft rechnen. Aber es werden sich gleichermaßen neue Chancen eröffnen. Wir verfolgen in allen Kerngeschäftsfeldern eine Strategie, mit der wir sowohl den kurzfristigen Anforderungen begegnen, als auch die längerfristigen Perspektiven verbessern. Dabei sind wir mit der Umsetzung im ersten Quartal gut vorangekommen. Alle Maßnahmen  spiegeln unsere feste Überzeugung wider, dass die Deutsche Bank nicht nur in der aktuellen Krise bestehen, sondern mittelfristig stärker als zuvor daraus hervorgehen wird. Wir haben das notwendige Kapital und die strategische Unabhängigkeit bewahrt, die es uns erlauben, entsprechend zu handeln.”

Datum: Dienstag, 28. April 2009 12:18
Themengebiet: Börse Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings sind geschlossen.

Keine weiteren Kommentare möglich.